Ankunft der Gerüche

Mir geht’s gut und Bangkok hat mich wieder.

Schon in Dubai konnte man beim Aussteigen aus dem Flieger (und Transport mit Shuttle Bus) dieses tolle subtropische Klima spüren. Einfach warm und unglaublich feucht. Aber zum Glück war der Airport klimatisiert. Sonst hätte ich dort keine acht Stunden ausgehalten. Eigentlich wären es ja nur knapp vier Stunden Wartezeit gewesen. Mit einer Verspätung hätte ich nicht gerechnet. Es kamen also auf Grund einer Verzögerung noch einmal knapp vier Stunden dazu. Halb einschlafend habe ich so mit Kamera und Audiorecorder die Nacht verbracht um im Morgengrauen von dort aus zu starten und bei Regen in Bangkok zu landen.

Mit herzallerliebster Umarmung hat mich Nadine vom Flieger abgeholt. Schön sie endlich wieder zu sehen und um sich zu haben. Zusammen sind wir (für normale ankommende Backpacker untypisch) mit Bus und Skytrain vom Flughafen zu Nadines Wohnung … ääähm Zimmer gefahren. Beim vielen schnattern mit Nadine ist mir während der Fahrt nur langsam bewusst geworden, wo ich hier eigentlich gelandet war. wieder in Bangkok. Vielleicht habe ich das auch nicht so richtig wahrgenommen, weil ich schon mal hier war. Erst als Nadine mich fragt, ob ich denn auch diesen typischen “Bangkokgeruch” rieche macht’s bei mir so langsam klick - ja das kenn’ ich irgendwo her. Diese schwüle, feuchtwarme Luft ist ähnlich der aus Dubai. Doch hat sie noch irgendetwas in sich, was es nur in Bangkok zu geben scheint. Ich glaube selbst jetzt wo ich hier schreibe bin ich noch nicht so richtig angekommen. Jede Minute wird etwas Neues entdeckt und bringt einen näher an diese Kultur und dieses Land. Zum Beispiel der tropische Regen, der gerade angefangen hat. Aber das scheint ja (wie auch in Mexiko) typisch für diese Klimaregion zu sein, das es nachmittags eben mal kurz schüttet.

Gestern Abend ging es nach einer Erfrischung in Nadines Wasch-Dusch-Koch-Abwasch-Kombi-Zimmer zusammen mit Jerome noch um die Ecke zum Abendessen. Jerome ist Nadines arbeitsloser beistand aus Hamburg, der ebenfalls hier gestrandet ist, bei Nadine lebt und wie sie nach Arbeit sucht. Aber irgendwie beißen sich die beiden durch, auch wenn es am bitteren Ende “nur” ein Job als Englischlehrer werden wird. Der abendliche Ausflug gestaltete sich auch wieder typisch bangkokisch: unglaublich schrille, laute Thaimusik, wasserversprühende Ventilatoren mitten auf der Straße, Garküchen am laufenden Meter, Autos, Tuk Tuks, Mopeds, und, und, und. Einfach nur ein wildes Durcheinander und das ohne Sonnenlicht. Zur Erklärung: hier wird es früher dunkel das scheint zum einen an der fehlenden Sommerzeit zu liegen. Zum anderen aber auch daran, dass wir uns hier näher am Äquator befinden, wo das alles noch einmal schneller abläuft. Es war also schon dunkel, als wir gegen 18uhr in einem Straßen Pub unter einem Fußballspiel zeigenden Fernseher Platz nahmen. Nach zwei kühlen Biers (zu dritt) sind wir zu einer leckeren Tom Yum Goong Suppe übergegangen. einfach nur lecker. @Alex: die daheim gemachte kommt zwar ran - hier ist es aber einfach noch mal leckerer. Auf dem Rückweg bei “Messi” (wer das ist erklär ich später mal) noch schnell zwei Bier mitgenommen um bei Nadine noch ein bisschen zu schnattern. Die letzte Nacht hab’ ich auch bei ihr und Jerome verbracht - auf dem Fußboden. Sicherlich denken jetzt einige (vor allem Mutti): der arme Junge. Aber zwischen Jerome und Nadine im Bett wär es auch nicht viel weicher gewesen. Zum Ausgleich gibt es nachher eventuell noch eine Thaimassage.

Für die kommenden Nächte habe ich mich heute im International Youth Hostel Bangkok eingebucht. Für 170 Baht (ca. 3,50 eur.) gibt es dort ein Bett im Achtmannzimmer - dafür aber mit Aircon. Den Weg dorthin habe ich allein zurückgelegt. meine erste auf-eigene-faust-unternehmung hier. Der hinweg war etwas beschwerlich und ich denke der Tuk Tuk Fahrer hatte sein Geschäft des Tages mit mir gemacht. Dafür war der Rückweg zu Nadine nach dem Check-In im Hostel um einiges günstiger: gerade mal 4 Baht mit dem Bus. Für die letzten Meter zu Fuß bin ich durch die Phetchaburi Soi 5 - einer wirklich urigen Gasse in der keine zwei Autos aneinander vorbei fahren können. Links und rechts kocht und köchelt es, werden Handys repariert und schuhe verkauft, knattern Mopeds an einem vorbei. Ab und an kommt ein Auto von vorn oder hinten und will hupend vorwärts kommen. Ich habe auf den 200 bis 300 Metern keinen einzigen Farang (zu Deutsch: westlicher Tourist) gesehen und mich zum ersten Mal so richtig weit weg von daheim gefühlt. ein angenehmes Gefühl. Hier in dieser Straße haben wir heute früh auch unser Frühstück besorgt: höllisch scharfer Papaya Salat, frische Ananas, Melone, gegrillte Banane am Spieß, Waffeln mit Rosinen, Eiskaffee im Beutel und komische frittierte Dinger von ding.

Die Soi 5 durchquert, fand ich bei Nadine niemanden, der mir die Tür aufsperren wollte. Also dachte ich mir: “gehen wir doch mal eben um die Ecke surfen”. Dabei entstand dieser Eintrag. Und wen treffe ich dort? Nadine und Jerome. So klein ist Bangkok.

Da hier in Bangkok gerade Kurzfilmtage sind geht es heute noch zu einer Vorführung. Außerdem ist vor meiner Weiterreise nach Myanmar geplant, bei einem Thaiboxwettkampf vorbei zu schauen. Das wird also dann sicher in den nächsten Tagen geschehen.

So der Regen ist vorbei und ich denke dieser Eintrag vermittelt meinen Lesern schon einen ersten Eindruck von dem, was ich hier erlebe und erleben werde. Also bleibt dran. Der nächste wird kommen.

@Gunnar und Antje: denkt an ein Vorhängeschloss. Kann in Hostels nützlich sein. So wie in meinem zum Beispiel. Da ich noch keines habe werde ich mir gleich mal eins kaufen gehen. Außerdem noch dieser Tipp: im Flieger einen Stift dabei haben. Macht sich besser beim Ausfüllen der Einreiseformulare, die man vorm Landen bekommt. Falls mir hier noch mehr einfällt, werde ich euch das zukommen lassen.

@Alex: denk bitte dran die Bumspalme und die beiden anderen Pflanzen in meinem Zimmer zu Gießen. Einmal pro Woche reicht - aber nicht überschwemmen :)