Nyaungshwe

Heute bin ich in bereits den zweiten Tag in Nyaungshwe, einem kleinen Ort am Inle Lake in der Nähe von Mandalay. Hier ist es zum Glück etwas entspannender als in der großen Stadt Yangon. Das Tal in dem der 22x11km große See liegt ist von bergen umringt, in denen sich ab und an dicke Regenwolken verirren.

Yangon hatte ich bereits nach zwei Nächten wieder verlassen. Irgendwie fehlt dieser Stadt der Scharm. Schlechte Straßen und Gehwege, keine Straßenbeleuchtung und abgesehen von der Shwedagon Pagode kaum aufregende Attraktionen zu bewundern. Von Yangon aus ging es nun also mit dem Bus nach Kyaikto, um von dort aus mit einem Pick-up zum Basislager Kinpun aufzubrechen. Kinpun liegt in einem kleineren Mittelgebirge im Mon State und ist Ausgangspunkt für eine Tour zum Kyaiktiyo - dem Golden Rock. Das ist ein ca. 5m großer, goldener, fast runder Felsen der kurz vorm kippen auf einem Berg steht - und das wohl schon seit tausenden von Jahren. Ziemlich faszinierende Eindrücke, die einen dort erfahren. Leider war an diesem Tag das Wetter wieder mal nicht des reisenden freund: am Gipfel hatten sich Regenwolken festgehangen und somit nur für eine Sicht von 15m gesorgt. Der Ausblick auf das umliegende Land wär an einem klaren tag sicher ein weiteres Highlight für diese Tour gewesen.

Mit den beiden Slowenen, die ich auf dieser Tour kennengelernt hatte ging es noch am gleichen Tag mit einem Pick-up zurück nach Bago. Dieser Trip dauerte drei Stunden und das bei diesen herrlichen Straßen. Bago selber ist eine Transitstadt, von der es den darauf folgenden Tag hierher zum Inle Lake gehen sollte. Das Hotel dort war ok, aber wirklich nur für eine Nacht gedacht. Länger wollte man einfach nicht in dieser Stadt bleiben - dauerverkehr in Form hupender Busse, Löws und Mopeds. Und das Restaurant, welches ich mit den beiden Slowenen am Abend noch zum Essen besuchte hatte auch nicht viel zu bieten: das Personal konnte keine einziges Wort Englisch, die herausgesuchten Gerichte konnten nicht zubereitet werden und Ratten sind unterm Tisch langspaziert. Angeblich war das der beste laden in der Stadt. tzzzzzz.

Die dreistündige Pick-up tour vom Vortag noch im Nacken ging es nun also weiter nach Norden. Der Aircon Bus war randvoll. Da ich in der vorletzten Reihe saß, konnte ich jedes Schlagloch der Hauptverkehrsstraße doppelt so gut fühlen. Das was hier der beste Weg zwischen Nord und Süd ist würde man bei uns wahrscheinlich als Kleinstdorfzubringer bezeichnen - hier ist das Autobahn. Teilweise passen keine zwei Busse nebeneinander, es gibt mehr Schlaglöcher und Huckel als teer, Straßenbeleuchtung - Fehlanzeige und Scheinwerfer sind eher Nebensache. Gefahren wird zum Teil ohne oder nur mit Standlicht. Und das in ziemlich waghalsigem tempo - wahrscheinlich stehen auch die Busfahrer hier unter Drogen: fast jeder Burmese kaut auf irgendwelchen Nüssen, die ähnlich wie Kautabak wirken und einen ekelhaften roten Speichel verursachen. Dieser wird dann wo man geht oder steht einfach ausgespuckt. Ebenso war es auch in dem Bus.

An sich sind die Autos, wie schon erwähnt hier alle in schlechtestem Zustand. Was aber unbedingt funktionieren sollte ist die Hupe. Wenn die geht, dann kann man auch auf der Straße fahren.

Die 11h Fahrt in den Norden waren also unglaublich grausam. nicht nur für Körper - auch für den Geist. Nebenher besitzt auch jeder Bus eine funktionsfähige DVD-anlage. Dort werden in voller Lautstärke Musik-DVDs mit Karaokeuntertiteln abgespielt. Dabei ist jeder Song schnulziger als der andere. Anfangs fand ich die Sachen noch lustig - mittlerweile hab ich sie hassen gelernt. Alles in allem war diese Fahrt das bisher schlechteste, was ich erlebt habe.

Nichts desto trotz bin ich gestern ziemlich verknittert und zerknautscht früh um fünf hier in der Nähe von Nyaungshwe aus dem Bus gefallen und per Pick-up in mein zuvor ausgesuchtes Guesthouse gebracht worden. Dort war erst einmal schlaf nachholen angesagt.

Sicher klingt das alles ziemlich unschön, was ich hier schreibe - ist aber nicht alles so schlimm. Das gehört eben in dieses Land und zu dieser Reise und wird mir meine Reisestimmung nicht verderben. Die Burmesen an sich sind hier alle recht nette Gesellen. Wenn irgendwer auch nur einige Worte englisch kann, so wird versucht einen kleinen Smalltalk aufzubauen. Erst gestern hat mich hier in Nyaungshwe ein alter 70 jähriger Lehrer aus der Hauptstadt des Shan States angesprochen. Er wollte einiges von mir wissen und hat mich anschließend zu sich nach Hause eingeladen, um mit mir auf die umliegenden Berge zu steigen. Ein typisches, von seiner frau gekochtes burmesisches Mittagessen soll wohl auch mit drin sein. Ich werde sicher nach den 3-4 tagen hier am Inle Lake zu ihm aufbrechen und schauen, ob sich hinter seinen Worten nicht doch irgendeine touristische abzocke verbirgt.

Soweit erst einmal von hier. Ich werde jetzt noch ein Fahrrad ausleihen und mir mal die Umgebung ansehen.