Die letzte Woche

Vor einer Woche: nach zwei Tagen Bangkok hatte ich mittlerweile Kontakt zu Antje und Gunnar. Beide auf dem Weg nach Ko Mak. Vorhaben für Sonntag vor einer Woche: sich am Hafen auf dem Festland zu treffen und zusammen auf die Insel zu schippern.

Leider - oder vielleicht auch zum Glück - war ich am Abend zuvor auf Männertour mit Jerome, Khao San Road. Völlig ohne plan, kurz im Bad, Zähne putzen, dabei die Kurzschluss Idee, die mir eigentlich schon vor Wochen durch den Kopf ging: “mit Plastiktüte durch Kambodscha”. Nach Katzenwäsche wurde also nur das nötigste in einer Plastiktüte verstaut, die ab dem damaligen Zeitpunkt für eine Woche mein Reisebegleiter werden sollte. Skytrain bis Ekamai, noch am Träumen, mit dem Kopf in der letzten Nacht, zum Busbahnhof geschleppt. Alles ging viel zu einfach - in meinem Zustand; sofort ein Ticket bekommen, schon im Bus, Cookies und Wasser für die Fahrt wurden verteilt, die Bangkok Post hatte ich am Terminal gekauft. auch die Eukalyptusnasenbefreiersticks. Schlafen, endlich wieder schlafen, Gedanken, ob ich bis trat wieder einigermaßen fit bin.

Per Pick-up von trat bis zum Hafen in Laem Ngop. Bei herrlichem Sonnenschein mit truckerbrille und -kappe, Fotoapparat im Anschlag gehe ich auf die beiden (hatte sie schon von weitem gesehen und dieses Vorhaben geplant) zu. Es wird ein freudiges Wiedersehen, wobei beide recht stutzig, dennoch gefasst auf mein Äußeres reagieren. Vieles zu erzählen, beiderseits - Nationalpark mit Blutegeln und regen, Myanmar mit regen, letzte Nacht mit Jerome und der Höllentrip zum Treffpunkt. Zusammen mit Simon, einem jüngeren deutschen Traveller wurden wir von Ufer zu Ufer geschleppt, immer noch Sonne, die langsam untergeht. im abendgrauen empfiehlt uns Rainer aus Stuttgart, wo es zu dieser Jahreszeit auf Ko Mak Unterkünfte gibt, die unseren einfachen und preiswerten Ansprüchen gerecht werden können, Transport wird auch von ihm organisiert. Nicht wirklich freudig über das empfohlene Ergebnis verlief der Abend zu viert vor dem Familienbungalow, Moskitos, dazu Bier.

vier Tage lang eigentlich nur regen und nichts tun. kurze abenteuerliche Unterbrechung, als wir am vierten Tag zu einer Inselbesichtigung aufbrechen. Die auf Ko Mak ansässigen Werdauer Brüder, Lutz und Ralf(?) erzählten vom anderen Strand. Bei steigendem Meeresspiegel liefen (später kletterten) wir durch verlassene buchten und an regenbewaldeten Strand, dann auch noch regen. Sorge um die Kameras bei dem vielen Wasser von oben und unten. Als endlich feststand, dass es nach 30 Minuten auf Gischt bedecktem, glitschigem Fels nicht weiterging blieb nur der Rückweg über gleiches, unwegsames, gefährliches Ufer. Völlig durchnässt kehrten wir in unser doppelt ausgestattetes doppelbett-Familienzimmer zurück. Kameras haben alles überstanden. Nach etlichen Bieren erneutes gemeinsames einschlafen in gemeinsam genutzten Zimmer, wie die Tage zuvor.

Eigentlich sollte es nach diesem feuchten Wandertag der letzte Abend werden. Jedoch hatten wir es nicht auf die reihe gebracht uns um Bezahlung und Rücktransport zu kümmern. Zum Glück, wie sich am folgenden Morgen herausstellte. endlich Sonne, die auch den ganzen Tag über blieb. Lustige Bilder wie dieses entstanden zwischen Badeeinsätzen und eincremen. Abends mit Alex telefoniert.

Der Abend zuvor wurde außerdem von viel wind erfüllt, Simon mit Lagerfeuer am Strand. Plötzlich die beiden Schweitzer, die wir schon tags zuvor grüßten. Im typischen Schwyzerdütsch: “wir wollen euch nicht beunruhigen, aber es gibt auf der Insel Gerüchte, von wegen Tsunami und großer Welle”. Nach kurzem Schock, Diskussion und gebildetem Herangehen an die Wahrheit der These steht fest, dass es sicher nur übertriebene Angst ist in Bezug auf das Ereignis vor einigen Monaten. Unsere geographisch ausreichenden Kenntnisse lassen uns mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass es im Golf von Thailand - aufgrund fehlender, sich ineinander schiebende tektonische Platten - keinen solchen Tsunami geben sollte. Dennoch wird von eventuellem Hochwasser gesprochen, was durch Meldungen (telefonisch und televisionell) in Erfahrung gebracht werden konnte. Sehr skeptisch, mit vielen blicken zum rauschenden, dunklen Nachtmeer versuchen wir diese Geschichte zu vergessen und schaffen das, wie gesagt, bei Bier und thailändischer Kost. Der Morgen danach: wie gesagt, Sonne.

Tags drauf, nach dem Sonnentag, dann doch die Rückfahrt zum Festland, da sechs Tage relaxen ausreichen. Gunnar und Antje müssen nach Bangkok, während ich mit Simon in trat abhänge und wir beide versuchen die Langsamkeit der Insel an die Normalgeschwindigkeit anzupassen, bevor es weitergeht. Eigentlich hätte ich mir schon vorstellen können, “mit plastic bag nach Cambodia” weiterzureisen. Nach vielem hin und her im Guesthouse mit der nettesten guesthousemutti der gesamten reise dann doch die Entscheidung: zurück ins hektische Bangkok, zurück zu Nadine und meinem trinkfreund Jerome. Von da aus mit Nadine - sie hat noch Zeit, bevor ihr neues Praktikum losgeht - mal für kurz nach Süden trippen, Strand und Sonne oder so. Sonnencreme nicht vergessen! Geld für Kambodscha ist irgendwie nicht mehr auf dem Konto. Zumal ich noch einen Anzug schneidern lassen möchte.

17.09.2005

Wir stranden in Pattaya, Simon und ich. Wie konnte dieses passieren, wer hatte die Idee? Der Bus von Trat nach Bangkok spuckt uns am Abend, es ist schon dunkel, auf der Hauptstraße auf den Bürgersteig. Wo ist Norden? Wo der Strand? Wir irren durch diese Stadt, mit allem Gepäck (in meinem Fall Plastiktüte und Kameratasche). Vielleicht zwei Stunden, permanent hupende Pick-ups und rufende Motortaxis, die Transportdienste anbieten - wir laufen weiter, dran vorbei, fast schon stur um unser Geld zu sparen. Es sieht lange Zeit bei weitem nicht so aus, wie im Lonely Planet beschrieben, es fehlt noch was. Irgendwann finden wir aber die schmuddeligen ecken, die langen Sois, die in rosafarbenen Neonröhren bestrahlt werden. Bestrahlt von den Bars und den Reflektionen der vielen Thaimädchen, die auch Dienste anbieten, aber keinen Transport. Es riecht schon irgendwie nach Sex, vielleicht nur Einbildung bei diesen anblicken. Neben rosa und rotem Licht, bestrahlen auch laute Popmusik und die hinterherrufenden Mädchen die Straße. Ich kannte das bisher nur aus Filmen und von der Soi Cowboy (Bangkok) vor dreieinhalb Jahren. Es gefällt mir hier gar nicht, ekelhaft, eine Nacht und schnellstmöglich weg. Die Entscheidung den Pattaya-Abend im Burger King zu beenden war clever und lecker, unsere Bäuche entschieden diesen Weg. Mit zwei Bier auf unser teureres Doppelzimmer (viermal so teuer, als in Trat) - Simon und ich. Fernsehen per Satellit, Klimaanlage, duschen, Bier und fernsehen. Einschlafen.

18.9.2005

Nach wiederum knapp zwei Stunden hasse ich diese Stadt noch mehr. Der Bahnhof ist nirgends ausgeschildert, was und zu diesem erneuten langen Marsch, an diesen transportdienstaufdrängenden Menschen und Maschinen durch die Stadt scheuchen ließ. Am Bahnhof doch noch angekommen: am Wochenende fährt kein Zug nach Bangkok, weder hin noch her. Es war Sonntag, heiß und verschwitzt. Füße reiben schon an den Tevas. Einem indisch-koreanischen Pärchen ging es ähnlich, als die beiden zur gleichen Zeit am Bahnhof ankommen. Zurück per Fuß. Ich weiß, dank (mittlerweile) guter Orientierung wo es zum Busbahnhof geht. Dort angekommen geht es nach einem Magnum auch schon los. Zwei Stunden später in Bangkok. Wieso will der Taxifahrer für 5min fahrt 100 Baht? Die Busfahrt, um den Chatu Chak Markt zu umfahren kostete nur 12 Baht. Hier trennen sich unsere Wege. Simon will noch einmal über den Chatu Chak schlendern, es war ja Sonntag. Ich will eigentlich nur duschen, also zu Nadine. Skytrain, und schon da, gestern am frühen Abend, obwohl Nadine nicht da ist.

Gestern am späten Abend nachdem Jerome vom Shoppen heim kommt, schnell noch was gegessen und Eis und Bier für unsere private Full Moon Party eingeholt. Nadine muss noch ein Buch lesen, dennoch spielen wir “wer bin ich”. Weihnachtsmann, Gera, Faran, Jerome, Heidi… wir lachen uns wieder mal kaputt, wie neulich im O’Reillys in Bangkok City.

Was nun diese Woche noch passiert weiß ich nicht. Nadine kann nun doch nicht mehr mit auf Reisen gehen, da sie schon am Mittwoch mit ihrem Praktikum anfangen muss. Eine SMS an mich kam Tage zuvor leider nicht an. Aber ich werde die tage schon irgendwie bestreiten können. Eventuell Squash mit Jerome.

PS: Schreibweise wie frisch. Homo Faber hat mir sehr gut gefallen.